Joghurt selber machen
Kategorie: Molkerei
Joghurt kaufen kann jeder. Daran ist nichts falsch. Aber sobald du dein erstes selbstgemachtes Glas aus dem Kühlschrank holst und probierst, cremig und frisch, genau in der Dicke und Säure, die du magst, gibt es kein Zurück mehr. Joghurt selber machen ist erstaunlich einfach: Du brauchst nur Milch, eine Starterkultur, etwas Wärme und ein wenig Geduld.
Hier findest du alles über den Prozess, die verschiedenen Varianten (von griechischem Joghurt bis Skyr) und Antworten auf so ziemlich jede Frage, die du zum Joghurt selber machen haben könntest.
Woher kommt Joghurt eigentlich?
Das Wort Joghurt stammt aus dem Türkischen und bedeutet ungefähr ‘dick’ und ‘kneten’. Das trifft die Sache eigentlich ziemlich gut. Joghurt entstand wahrscheinlich irgendwo im Nahen Osten, auch wenn Menschen in Nordafrika und Indien schon seit Jahrtausenden ihre eigenen Varianten von fermentierter Milch herstellen. Überall dort, wo Menschen Milchtiere hielten und das Klima warm genug war, entstand irgendeine Form von Joghurt ganz von selbst.
Im Westen wurde Joghurt erst Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts populär, als der russische Nobelpreisträger Ilja Metschnikow einen Zusammenhang zwischen dem Verzehr fermentierter Milch und einer längeren Lebenserwartung fand. Diese Forschung wurde später stark kritisiert, doch sie brachte Joghurt praktisch über Nacht einem breiten Publikum näher. Den eigentlichen Durchbruch im Supermarkt brachte natürlich die Erfindung von Erdbeer- und Pfirsichjoghurt.
Trotz seiner alten und fernen Wurzeln fühlt sich Joghurt in westlichen Küchen heute völlig zu Hause.

Wie macht man Joghurt?
Das Prinzip ist einfach: Du gibst lebende Milchsäurebakterien in warme Milch und lässt sie ihre Arbeit tun. Die Bakterien wandeln Laktose (Milchzucker) in Milchsäure um, wodurch die Milch eindickt und ihren typischen Joghurtgeschmack und die charakteristische Textur bekommt. Diesen Prozess nennt man Fermentation. Die entscheidenden Variablen sind: welche Milchsäurebakterien du verwendest, mit welcher Milch du startest und bei welcher Temperatur du fermentierst.
Was brauchst du?
Du brauchst drei Dinge: Milch, eine Joghurt-Starterkultur und eine Möglichkeit, die Milch auf der richtigen Temperatur zu halten. Bei den meisten Joghurtsorten (thermophiler Joghurt) liegt die bei etwa 42 bis 43 °C. Ein Joghurtbereiter ist die bequemste Lösung, aber es gibt genug Alternativen (siehe weiter unten unter “Joghurt machen ohne Joghurtbereiter”).
Joghurt Schritt für Schritt selber machen
- Erhitze die Milch auf etwa 90 °C und halte diese Temperatur zehn Minuten lang. Dadurch wird der Joghurt dicker, weil sich die Struktur der Proteine verändert. Bei H-Milch kannst du diesen Schritt komplett überspringen. Joghurt aus gewöhnlicher pasteurisierter Milch aus dem Kühlregal oder aus Rohmilch wird immer etwas dünner.
- Lass die Milch auf 42 bis 43 °C abkühlen.
- Rühre die Starterkultur ein.
- Gieße die Milch in Gläser oder lass sie im Topf und halte alles auf Temperatur.
- Prüfe nach fünf bis acht Stunden, ob der Joghurt fest genug geworden ist: Kipp das Glas vorsichtig. Bewegt sich die Masse als Ganzes, ist er fertig.
- Stell den Joghurt in den Kühlschrank. Nach ein paar Stunden Abkühlen wird die Textur noch fester und der Geschmack runder.
Tipp: Heb immer ein paar Esslöffel Joghurt in einem sauberen Glas auf. Die kannst du als Starter für das nächste Mal verwenden. Mehr dazu weiter unten unter “Starterkultur oder Rückkultivierung?”.

Thermophil und mesophil: zwei Arten von Joghurtkulturen
Nicht alle Joghurtkulturen arbeiten bei derselben Temperatur. Der Unterschied zwischen thermophil und mesophil ist das Erste, was du wissen musst, wenn du mit dem Joghurt machen anfängst, denn er bestimmt, welche Ausrüstung du brauchst.
Thermophile Kulturen (wärmeliebend) fermentieren bei 40 bis 45 °C. Dazu gehören die meisten bekannten Joghurtsorten: normaler Joghurt, griechischer Joghurt, bulgarischer Joghurt und Skyr. Du brauchst einen Joghurtbereiter oder eine andere stabile Wärmequelle, um diese Temperatur stundenlang zu halten.
Mesophile Kulturen fermentieren bei 20 bis 30 °C, also einfach bei Zimmertemperatur. Beispiele sind Filmjölk (schwedisch), Matsoni (georgisch) und Viili (finnisch). Geschmack und Textur unterscheiden sich von thermophilem Joghurt: oft milder, manchmal etwas zähflüssiger. Großer Vorteil: kein Joghurtbereiter nötig.
Starterkultur oder Rückkultivierung?
Es gibt zwei Wege, an deine Joghurtbakterien zu kommen: Du verwendest eine gefriergetrocknete Joghurt-Starterkultur, oder du hebst einen Teil deiner vorherigen Charge auf und verwendest sie erneut. Letzteres nennt man Rückkultivierung (oder Weiterzüchten).
Starterkultur
Eine gefriergetrocknete Starterkultur ist ein Beutel mit sorgfältig ausgewählten Bakterienstämmen. Du löst sie in warmer Milch auf und weißt genau, was du bekommst: welche Stämme darin stecken, in welchem Verhältnis und welche Art von Joghurt sie ergeben. Ein Beutel reicht für mehrere Dutzend Liter. Die Beutel halten sich lange im Gefrierfach und lassen sich einfach lagern. Du musst nicht jede Woche Joghurt machen, um deine Kultur am Leben zu halten.
Wir verkaufen mehr als zwanzig Joghurtkulturen für bestimmte Joghurtsorten: von griechischem Joghurt und bulgarischem Joghurt bis zu Skyr und Ziegenmilchjoghurt. Jede Kultur ist auf ein bestimmtes Geschmacksprofil und eine bestimmte Textur ausgelegt.
Rückkultivierung
Bei der Rückkultivierung hebst du nach jeder Charge ein paar Esslöffel Joghurt in einem sauberen Glas auf und verwendest sie beim nächsten Mal als Starter. Das ist die traditionelle Methode, und sie funktioniert gut, solange du sie regelmäßig anwendest.
Der Nachteil: Die Kultur wird mit der Zeit schwächer oder gerät aus dem Gleichgewicht. Du merkst das an dünnerem Joghurt, längeren Fermentationszeiten oder einem veränderten Geschmack. Außerdem trägt jede Runde ein kleines Risiko einer Verunreinigung mit unerwünschten Mikroorganismen in sich, vor allem wenn du nicht streng hygienisch arbeitest. Und du musst regelmäßig weiter Joghurt machen: Lässt du ein paar Wochen aus, stirbt deine Kultur ab.
Bewahre deinen rückkultivierten Starter immer getrennt in einem sauberen Glas auf, ohne Obst, Zucker oder andere Zutaten. Schöpfe den Starter heraus, bevor du den Rest des Joghurts isst.
Was empfehlen wir?
Fang mit einer Starterkultur an. Die erste Charge gelingt fast immer, du weißt genau, was für ein Joghurt dabei herauskommt, und danach kannst du selbst entscheiden, ob du die Rückkultivierung ausprobieren willst. Halte in dem Fall einen frischen Beutel Starterkultur als Reserve bereit: Lässt deine rückkultivierte Kultur nach ein paar Runden nach, fängst du einfach neu an.
Joghurt machen ohne Joghurtbereiter
Bei thermophilem Joghurt (die meisten Sorten, darunter griechischer, bulgarischer und Skyr) muss die Milch fünf bis zwölf Stunden lang bei 42 bis 43 °C bleiben. Genau das leistet ein Joghurtbereiter: konstante Temperatur ohne Aufwand.
Ein Joghurtbereiter ist aber keine Pflicht. Ein Backofen auf niedrigster Stufe, ein Multikocher mit Joghurtfunktion, ein Sous-vide-Stick, eine Thermoskanne oder sogar ein in Decken eingewickelter Topf: Das funktioniert alles. Diese Methoden brauchen mehr Aufmerksamkeit als ein Joghurtbereiter, vor allem beim ersten Mal. Kontrolliere die Temperatur mit einem Küchenthermometer.
Willst du dich gar nicht um die Temperatur kümmern? Dann wähle eine mesophile Kultur. Filmjölk, Matsoni oder Viili fermentieren einfach auf der Arbeitsfläche bei Zimmertemperatur. Kein Joghurtbereiter nötig, kein Thermometer. Auf unserer Joghurt-Seite liest du mehr über die verschiedenen Möglichkeiten.

Griechischen Joghurt selber machen
Griechischer Joghurt ist eigentlich nichts anderes als normaler Joghurt, den du nach der Fermentation abtropfen lässt. Indem du einen Teil der Molke (der Flüssigkeit) entfernst, wird der Joghurt dicker, cremiger und proteinreicher.
Griechischen Joghurt machst du, indem du zuerst ganz normal Joghurt fermentierst. Verwende eine Starterkultur für griechischen Joghurt, die auf ein volles, mildes Profil ausgelegt ist. Fermentiere bei etwa 43 °C rund 6 Stunden lang, bis der Joghurt richtig dick ist.
Gieß den Joghurt anschließend in ein feines Sieb, ein Käsetuch oder einen Kaffeefilter über einer Schüssel und lass die Molke abtropfen. Nach zwei bis vier Stunden hast du einen dicken, vollmundigen griechischen Joghurt. Lässt du ihn länger abtropfen (acht Stunden oder mehr), landest du eher bei abgetropftem Joghurt oder Labneh.
Vollmilch liefert die besten Ergebnisse. Du kannst griechischen Joghurt auch aus entrahmter Milch machen, aber dann wird die Textur dünner. Beim Abtropfen verschwindet Molke und damit auch etwas Laktose, weshalb griechischer Joghurt etwas weniger Laktose enthält als normaler Joghurt.
Tipp: Die übrige Molke ist prima weiterzuverwenden: in Brotteig, Smoothies, Suppe oder als Starter beim Sauerkraut machen.

Bulgarischen Joghurt selber machen
Bulgarischer Joghurt ist die ursprüngliche Form von Joghurt. Der Name verweist nicht nur auf das Herkunftsland, sondern auch auf das Bakterium Lactobacillus delbrueckii subsp. bulgaricus, das zusammen mit Streptococcus thermophilus für die Fermentation sorgt.
Bulgarischer Joghurt hat einen ausgeprägt sauren Geschmack und eine feste Textur. Der Unterschied zu ‘normalem’ Joghurt liegt vor allem in den spezifischen Bakterienstämmen und der längeren Fermentationszeit.
Verwende eine Starterkultur für bulgarischen Joghurt und fermentiere bei 42 bis 43 °C. Bulgarischer Joghurt braucht oft etwas mehr Zeit als Standardjoghurt: Rechne mit acht bis zwölf Stunden, je nachdem wie sauer du ihn haben willst. Je länger die Fermentation, desto saurer und dicker der Joghurt.
Für den bestschmeckenden bulgarischen Joghurt empfiehlt sich Vollmilch.
Skyr selber machen
Skyr ist ein isländisches Milchprodukt, das irgendwo zwischen Joghurt und Frischkäse liegt. Traditionell wird Skyr aus entrahmter Milch hergestellt und abgetropft, was ihm einen bemerkenswert hohen Proteingehalt bei sehr wenig Fett verleiht: etwa 2,5 Mal so viel Protein wie normaler Joghurt.
Trotz der Ähnlichkeiten mit Joghurt unterscheidet sich die Zubereitung ein wenig. Skyr fermentiert, genau wie Joghurt, mit thermophilen Bakterien bei etwa 43 °C. Die Fermentationszeit ist vergleichbar: sechs bis acht Stunden, länger, wenn du ein saureres Endprodukt möchtest.
Nach der Fermentation lässt du den Skyr abtropfen, ähnlich wie bei griechischem Joghurt, aber oft noch länger. Nach dem Abtropfen hast du eine sehr dicke, milde Masse, die du löffeln kannst.
Verwende eine Skyr-Starterkultur für den authentischsten Geschmack. Skyr wird traditionell aus entrahmter Milch hergestellt, und das ist eine der wenigen Fermentationen, bei denen entrahmte Milch tatsächlich bevorzugt wird. Verwendest du Vollmilch, wird der Geschmack voller, aber weniger ‘authentisch’.
Häufig gestellte Fragen zum Joghurt selber machen
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Über den Autor (Meneer Wateetons)
Meneer Wateetons ist ein niederländischer Kulinarik-Autor, Dozent, Fermentationsspezialist, Wurstmacher und Inhaber von startercultures.eu. Er hat 9 Bücher zu kulinarischen Themen wie Fermentation, Alkoholherstellung, Wurstmachen, Charcuterie und Frittieren geschrieben. Seit Jahren gibt er Hobbyköchen, Köchen und Lebensmittelprofis Workshops und Kurse zu diesen Themen.
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